In der Wissenschaftslandschaft thront ein Wortpaar oft über allem: Forschung und Exzellenz. „Die Reputation von Universitäten wird an deren Forschungsleistung gemessen; viele Menschen sind darauf fokussiert, dass diese steigt. In der Öffentlichkeit dagegen werden Universitäten überwiegend als Bildungsstätte wahrgenommen, immerhin ist dies eine gleichwertige Aufgabe“, ordnet Rektorin Prof. Dr. Anja Steinbeck die derzeitige Situation ein.
Daraus folgt ein klarer Schritt: „Wir möchten im neuen HEP einen besonderen Fokus auf die Lehre richten, selbstverständlich ohne die Forschung zu vernachlässigen. Es ist uns ein großes Anliegen, Studium und Lehre an der HHU zukunftsfähig zu gestalten“, so Steinbeck. „Wir fragen: Wie lassen sich Curricula weiterentwickeln? Wie begleiten wir unsere Studierenden bestmöglich bis zum Abschluss? Zugleich beschäftigt uns, welche Lehrkonzepte angesichts von Digitalisierung und KI tragen und wie sich Rollen und Kompetenzen von Lehrenden verändern.“
Ideen gemeinsam zum Durchbruch verhelfen
Forschung und Transfer bleiben selbstverständlich weitere Schwerpunkte des HEP. Hier werde wie bisher die kontinuierliche Qualitätsentwicklung und Drittmitteleinwerbung betrachtet. Profilbildend für Universitäten ist die Verbundforschung: „Das heißt, dass wir Kooperationen wie die der Medizinischen und der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät stärken möchten, Forschungsverbünde bereits in sehr frühen Stadien unterstützen und auch schauen, welche neuen Ideen wir zusammen verwirklichen“, sagt die Rektorin.
Auch künftig prägt der Gedanke der Bürgeruniversität das Profil der HHU. Wissenschaft und ihre Bedeutung für unsere Gesellschaft in der Stadt und Region zu verankern, bleibt eine wichtige Aufgabe. Überdies sollen unternehmerische Aktivitäten und Gründungen stärker unterstützt werden.
Den Campus verschönern
Hochschulentwicklung meint auch den Rahmen vor Ort: Alle, die an der HHU lernen, lehren, forschen und arbeiten, verbringen viel Zeit am Campus und in den Außenstellen. „Mir ist es wichtig, dass die Gebäude und der Campus zum Verweilen einladen. Hier gibt es etliche Punkte, die wir verbessern wollen. Doch das können wir nicht allein entscheiden und umsetzen“, findet Professorin Steinbeck deutliche Worte.
All diese Aspekte fließen in den neuen Plan ein. Neben zahlreichen Workshops mit den Fakultäten und den zentralen Einrichtungen (siehe Überblick unten) fungieren zwei Fokusgruppen als Resonanzraum. Sie diskutieren über die Vorschläge, Ziele und Maßnahmen, bevor alles verschriftlicht wird. Auch die HEP-AG des Senats wird Input liefern.
„Sowohl den Weg als auch den Text gestalten wir bewusst anders: Der neue HEP wird die Kapitel Lehre, Forschung und Transfer auf rund 30 Seiten darstellen.“ Statt vieler einzelner Maßnahmen soll es eine Handvoll klarer Orientierungen und Leitprojekte geben. „Wir folgen dem Gedanken, dass wir am Anfang mehr reden und am Ende weniger schreiben. Ich wünsche uns den Mut zu Perspektivwechseln, mit denen wir in einen offenen, anregenden Diskussionsprozess gehen.“
Was bis wann geschieht
• Nachdem das Rektorat erste Ziele diskutiert hatte, wurden diese mit den Dekanaten gespiegelt.
• Anfang des Sommersemesters sprachen Studierende über die Weiterentwicklung von Lehre und Studium. Das Projekt „CoLab Curriculumentwicklung“ startete, bei dem es um die Zukunftsfähigkeit der Lehre geht.
• Die studentischen Senatsmitglieder stellten nach Gesprächen mit den Fachschaften eigene Ideen im Rektorat vor.
• Weitere Ideen entstanden in Workshops mit den Fakultäten, den zentralen Einrichtungen und der zentralen Universitätsverwaltung.
• Im Juli stellen die Fakultäten ihre Ideen zur Forschung vor und diskutieren ihre Beiträge zu den gesamtuniversitären Zielen.
• Auf der Grundlage all dieser Rückmeldung schärft das Rektorat im August/September die Ziele und entwirft Vorschläge für Leitprojekte.
• Im Oktober/November lädt das Rektorat zu zwei Fokusgruppen (Forschung sowie Studium und Lehre) ein: Jeweils 30 bis 40 Personen aus den Fakultäten und den zentralen Einrichtungen erörtern die Leitprojekte und entwickeln weitere Maßnahmen.
• Schließlich formuliert das Rektorat im Dezember/Januar einen Entwurf mit den erarbeiteten Orientierungen, Zielen, Leitprojekten sowie zentralen Maßnahmen.
• Nachdem dieser Entwurf in den zuständigen Gremien final beraten und abgestimmt ist, wird der HEP beschlossen, der bis 2031 gilt.
Ergeben sich zusätzlicher Diskussionsbedarf oder Vertiefungswünsche, kann der Ablauf angepasst werden.
Dieser Beitrag ist eine Kurzform des Interviews mit Rektorin Steinbeck, das im frisch gedruckten Magazin erschienen ist.