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Die Kamelien blühen im Winter

Es ist kalt und grau, aber auch jetzt finden sich im Botanischen Garten der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) immer wieder farbige Kleckse, und es duftet. Besonders auffällig: die rot blühenden Kamelien, die gelbe Zaubernuss und die Chinesische Winterblüte. Auch in der dunklen Jahreszeit lohnt sich also der Weg in den Botanischen Garten – montags bis freitags ist er von 8:00 bis 16:00 Uhr geöffnet.

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Die Japanische Kamelie (Camellia japonica) blüht im Januar. Rechts sind Fruchtstände aus dem Vorjahr zu sehen. (Fotos: HHU / Arne Claussen)

Wer vor dem Verwaltungsgebäude links auf die Wiese geht, wird beim Beet vor dem Gebäude auf einen in der Jahreszeit unerwarteten Duft stoßen: Hier wächst die Chinesische Winterblüte (Chimonanthus praecox), die nicht nur durch ihren markanten Duft, sondern auch durch die leuchtend gelben Blüten auffällt. Und wer nach dieser Einstimmung mit offenen Augen weiter durch das Freigelände wandert, den belohnen auch andere blühende Sträucher, Stauden und Bäume.

Ins Auge stechen in der Asienabteilung die roten und pinken Blüten der Japanischen Kamelie (Camellia japonica), die im Januar und noch bis in den Februar blüht. Ebenfalls in der Nähe blühen gelb die Kornelkirschen (Cornus mas und Cornus officinalis) und weiß die Heckenkirschen (Lonicera x purpusii).

„Wenn die Sonne scheint und es ein paar Grad über Null ist, sind auch schon Bestäuber zu sehen“, informiert Gartenmeister Andreas Fischbach. „Zwar sind noch nicht die staatenbildenden Honigbienen unterwegs, wohl aber Wildbienen und die ersten Hummeln.“

Auch wenn die Beete im Nutzpflanzengarten nicht in üppiger Frucht stehen, so lohnt sich ein Gang durch die Anlage. Zu sehen sind unter anderem verschiedene Kohlsorten wie der Ewige Kohl (Brassica oleracea var. ramosa), eine der Urformen des Kohls. Auch der Name des Küsten-Meerkohls (Crambe maritima) lässt auf eine Verwandtschaft schließen, doch nur auf eine entfernte. Dieser zeigt jetzt seine ersten Austriebe.

„Der Küsten-Meerkohl wird auch als Spargelersatz gezogen“, weiß Andreas Fischbach, „dazu müssen die Pflanzen unter Lichtabschluss wachsen – man stülpt einen schwarzen Eimer über sie –, wodurch sie kein Chlorophyll einlagern.“

Vorbei an den Teichen lohnt sich ein Abstecher zur kleinen Brücke, die zu den Konifereninseln führt. Dort blüht gerade der Persische Eisenholzbaum (Parrotia persica). Fischbach: „Die kleinen kugeligen Blütenstände enthalten bis zu acht Blüten mit leuchtend roten Staubfäden.“ Das Holz des Eisenholzbaums wächst langsam und ist, wie der Name verrät, sehr hart. Es wird deshalb gerne für Möbel und Kunsthandwerk genutzt.

Zum Schluss des Rundgangs empfiehlt sich ein Besuch des markanten Kuppelgewächshauses. Schon am Eingang strahlt den Besuchern die gelbe „Notblüte“ von Aeonium balsamiferum entgegen. Pflanzen setzen solche, oft kleineren Blüten an, wenn sie sich in einer Stresssituation befinden, um in der Gefahrensituation noch schnell Samen bilden zu können, die ihr Überleben sichern. Auch in der Kuppel finden sich weitere Exemplare der Kamelie. Besonders auffällig sind aber die Früchte der Bitterorange (Citrus × aurantium).

Der Botanische Garten verändert sich andauernd. Aktuell sind einige Baumaßnahmen im Gange: So entsteht in der Nähe der Nutzpflanzenabteilung ein neues Forschungsgelände. Hier wollen HHU-Biologinnen und -Biologen neue Getreidesorten erforschen, die unter anderen dem Klimawandel besser begegnen können.

Der Botanische Garten der HHU

Der rund acht Hektar große Botanische Garten wurde 1979 eröffnet. Er dient der Bevölkerung ganzjährig als Stätte der Bildung und Erholung, der Pflanzenforschung und der Studierendenausbildung an der HHU. Die umfangreichen, größtenteils öffentlichen Pflanzensammlungen werden als Arbeits- und Anschauungsmaterial für Forschung und Lehre vor allem in der Biologie und der Pharmazie genutzt.

Ein besonderer Schwerpunkt des Düsseldorfer Botanischen Gartens ist die sogenannte Kalthauskultur. In ihrem Zentrum steht das Wahrzeichen des Gartens, das 1.000 Quadratmeter große Kuppelgewächshaus mit einer Höhe von 18 Metern. Es beherbergt Pflanzen des Mittelmeerraums und der Kanaren, aber auch solche aus Ozeanien, Asien und Amerika.

In den Jahren 2004 und 2008 wurde die Einrichtung um zwei neue Gebäude erweitert, die Orangerie und das Südafrikahaus. Neben dem großen Sammlungs- und Forschungshaus und Versuchsflächen betreibt der Botanische Garten auch die hochmodernen Forschungsgewächshäuser auf dem Dach des Biologie-Neubaus.

Die im Botanischen Garten zu entdeckende Pflanzenwelt ist äußert vielfältig. Dort finden sich äußerst seltene Pflanzen wie die Wollemie, von denen in Ursprungsland Australien nur circa 100 ausgewachsene Exemplare wild in einem sehr kleinen, gut geschützten Gebiet vorkommen. In Düsseldorf wird damit ein Beitrag zur Erhaltung bedrohter Arten und zur Sicherung der Biodiversität geleistet.

Alljährlichen besuchen rund 100.000 Bürgerinnen und Bürger den Botanischen Garten. Er ist für die Öffentlichkeit von März bis Oktober täglich und von November bis Februar montags bis freitags geöffnet. Den Besuchenden steht ein kostenfreier Audioguide zur Verfügung, der sie auf Rundgängen zu allen Besonderheiten führt.

Mit einem vielfältigen Vortrags- und Führungsprogramm werden Pflanzeninteressierte jeden Alters an die Geheimnisse, die im Garten zu finden sind, herangeführt und die Bedeutung von Pflanzen für die menschliche Zivilisation verdeutlicht. Mit diesem Wissenstransfer ist der Botanische Garten in das Selbstverständnis der HHU als Bürgeruniversität eingebunden.

Unterstützt wird die Arbeit durch den Freundeskreis, mit dessen Hilfe bereits viele Projekte realisiert werden konnten.

Ebenso ist der Botanische Garten eine Ausbildungsstätte für Gärtnerinnen und Gärtner. Bis zu zehn Auszubildende erlernen in der Fachrichtung „Staudengärtnerei“ den Betrieb eines wissenschaftlich orientierten Gartens.

Weitere Informationen: Webseiten des Botanischen Gartens

Kategorie/n: Schlagzeilen, Pressemeldungen, Alumni-News
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Auch wenn der Frost die Blüten der Chinesischen Winterblüte (Chimonanthus praecox) schon etwas mitgenommen hat, leuchten sie doch noch in sattem Gelb und verströmen einen kräftigen Duft. Die noch an den Zweigen hängenden Fruchtkapseln aus dem Vorjahr werden gerne von Ohrwürmern (Dermaptera) als Winterversteck genutzt. (Foto: HHU / Arne Claussen)

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Blüten des Persischen Eisenholzbaums (Parrotia persica). (Foto: HHU / Arne Claussen)

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Noch sind sie sehr versteckt, aber die ersten farbigen Spitzen der Schneeglöckchen (Galanthus) sind schon zu sehen. (Foto: HHU / Arne Claussen)

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Eine Heckenkirsche der Art Lonicera x purpusii. Sie ist eine Artenkreuzung aus Lonicera fragrantissima mit Lonicera standishii. (Foto: HHU / Arne Claussen)

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Starker Kontrast: Blütenstand des Essigbaums (Rhus typhina) vor bedecktem Himmel. (Foto: HHU / Arne Claussen)

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Im Nutzpflanzengarten werden die verschiedenen Gemüse nicht geerntet. Es soll vielmehr beobachtet werden, wie sie sich im Folgejahr entwickeln. Hier verschiedene Kohlsorten (v.l.): Ewiger Kohl (Brassica oleracea var. ramosa); frischer Austrieb des Küsten-Meerkohl (Crambe maritima); Grünkohl (Brassica oleracea). (Fotos: HHU / Arne Claussen und Andreas Fischbach (m.))

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Der Weg ins Kuppelgewächshaus lohnt sich immer, zum Beispiel zur blühenden Aeonium balsamiferum und zur Bitterorange (Citrus aurantium). (Fotos: HHU / Arne Claussen)

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Im Botanischen Garten entsteht eine neue Forschungsfläche. Dort werden die Nutzpflanzenforscher der HHU unter anderem neue Getreidesorten außerhalb der Gewächshäuser untersuchen. (Foto: HHU / Arne Claussen)

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