Endosymbionten sind Lebewesen, die innerhalb anderer Lebewesen, insbesondere auch direkt in deren Zellen. Manche Endosymbionten verbanden sich im Laufe fest mit ihren Wirtszellen wie die Mitochondrien – die „Kraftwerke“ der Zellen – oder die Chloroplasten – in denen in Pflanzenzellen die Photosynthese abläuft und die aus inkorporierten Cyanobakterien entstanden.
Die Biologie hielt lange Endosymbionten und Organellen für klar unterscheidbar: Endosymbionten tauschen lediglich Stoffwechselprodukte (Metabolite) mit der Wirtszelle aus, während Organellen einen Großteil ihrer genetischen Information in den Zellkern der Wirtszelle übertragen haben, so dass ihre Struktur und Funktion vom Import von Proteinen abhängt, deren Kodierung im Zellkern abgelegt ist.
Das Team um Prof. Nowack hat an der Amöbe Paulinella chromatophora und dem Trypanosomatiden Angomonas deanei (ein einzelliger Flagellat) gezeigt, dass auch evolutionär jüngere Endosymbionten schon vom Import kernkodierter Proteine abhängen können. Die Untersuchung dieser Systeme ermöglicht es den Düsseldorfer Biologinnen und Biologen, die schrittweise Evolution eines Organells besser zu verstehen. Sie gewinnen so Einblick in molekulare Mechanismen, mit deren Hilfe eukaryotische Zellen (Zellen mit Zellkern) intrazelluläre Bakterien kontrollieren und zu ihrem Nutzen manipulieren.
Prof. Nowack: „Die Auszeichnung mit dem Miescher-Ishida-Preis zeigt die große Wertschätzung, die die wissenschaftliche Community in der Symbiose- und Organellenforschung der Arbeit entgegenbringt, die ich gemeinsam mit meinem Team geleistet habe. Diese Auszeichnung ist für mich eine große Ehre und eine wunderbare Bestätigung und Motivation für uns, unsere Forschung mit großer Begeisterung fortzuführen.“
Miescher-Ishida-Preis
Der Miescher-Ishida-Preis wurde von Dr. Masahiro R. Ishida „zum Gedenken an die Entdeckungen der nukleären und extranukleären DNA“ ins Leben gerufen. Der Preis würdigt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die einzigartige Erkenntnisse auf dem Gebiet der Endozytobiologie gewonnen oder zur Entwicklung dieser Wissenschaft beigetragen haben. Die Endozytobiologie untersucht die Interaktion von eukaryotischen Zellen mit Endosymbionten und von Endosymbionten-abgeleiteten Organellen.
Der Miescher-Ishida-Preis wird seit 1986 von der International Society of Endocytobiology und der Universität Tübingen verliehen, in Erinnerung an die erste DNA-Isolierung durch Friedrich Miescher im Jahr 1869 und die erste Isolierung von Chloroplasten-DNA durch Masahiro R. Ishida 1961.
Weitere Informationen: Webseite zum Preis
Zur Person
Eva Nowack (geboren 1980 in Münster) studierte Biologie in Köln und promovierte dort 2009. Nach einem mehrjährigen Forschungsaufenthalt an der Carnegie Institution for Science in Stanford in den USA übernahm sie 2014 die Leitung der Emmy Noether-Nachwuchsgruppe „Microbial Symbiosis and Organelle Evolution“ an der HHU. 2020 wurde sie hier zur Professorin für Mikrobielle Zellbiologie berufen.
Prof. Nowack forscht, wie Zellen Gemeinschaften mit anderen Zellen eingehen, wodurch im Laufe der Evolution unter anderem Endosymbionten und Zellorganellen entstanden. Sie ist mit diesem Schwerpunkt auch Projektleiterin im Sonderforschungsbereich 1535 „MibiNet“, der an der HHU koordiniert wird. Für ihre Arbeiten wurde Nowack unter anderem mit dem Preis Heinz Maier-Leibnitz-Preis ausgezeichnet. Jetzt erhielt sie den Miescher-Ishida Award der International Society of Endocytobiology.