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Wenn das Herz aus dem Apfel kommt
Nacht der Wissenschaft 2026 – mehr als 60 Beiträge boten Forschung zum Anfassen

Forschung fasziniert – das darf als Resümee für die Nacht der Wissenschaft 2026 gelten: 15.000 Menschen zählte das Organisationsteam aus der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU), die sich trotz teilweise erheblicher Regenfälle am Freitag, den 11. September geduldig einreihten, um ins Aktionszelt oder ins Haus der Universität der HHU zu gelangen. Genutzt wurde das Angebot von so vielen Menschen wie nie zuvor. Die Nacht der Wissenschaft findet alle zwei Jahre im Düsseldorfer Stadtzentrum statt.

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Das große Eventzelt der Nacht der Wissenschaft auf dem Schadowplatz. (Foto: HHU / Wilfried Meyer)

Veranstaltet wurde die 6. Düsseldorfer Nacht der Wissenschaft von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) gemeinsam mit vier Partnerorganisationen: der Hochschule Düsseldorf (HSD), dem Forschungszentrum Jülich (FZJ), dem Deutschen Diabetes-Zentrum (DDZ) und dem Max-Planck-Institut für Nachhaltige Materialien (MPI). Schauplätze waren wie gewohnt das Aktionszelt auf dem Schadowplatz und das Haus der Universität. Nach rund 14.000 Besucherinnen und Besuchern im Jahr 2024 übertraf die Veranstaltung damit noch einmal die Resonanz der vergangenen Ausgabe.

Das Programm spannte den Bogen über acht Themenfelder: Biologie und Evolution, Denken und Wahrnehmen, Energie und Umwelt, Künstliche Intelligenz und Daten, Medien und Kommunikation, Medizin und Ernährung, Technologie und Werkstoffe sowie Wirtschaft und Gesellschaft. Zu Stoßzeiten waren die Schlangen vor dem stimmungsvoll erleuchteten Zelt mehr als hundert Meter lang. Bei über 60 Beiträgen lässt sich das Geschehen des Abends kaum vollständig abbilden, zu groß war die Vielfalt an Ständen, Vorträgen und Gesprächsrunden. Der folgende Nachbericht konzentriert sich auf einige der Programmpunkte, die besonders viel Publikum anzogen und den Abend sichtbar geprägt haben.

Einer der auffälligsten Publikumsmagneten fand sich bereits im Eingangsfoyer des Hauses der Universität: Mithilfe exotischer Pflanzen aus dem Botanischen Garten der HHU war der Raum in einen Dschungel verwandelt worden, in dem überdimensionale, naturgetreue Modelle von Insekten, Spinnen und Skorpionen einen ungewohnten Blick auf eine sonst verborgene Welt eröffneten. Grundlage der Exponate waren hochauflösende 3D-Scans, deren Weg vom Original bis zum fertigen Modell vor Ort an Scannern und 3D-Druckern nachvollzogen werden konnte. Klanglandschaften des Komponisten Lars Leonhard (HHU) sowie Terrarien ergänzten die Inszenierung um Eindrücke von Lebensräumen, Anpassungen und Verhalten der Tiere.

Die Ausstellung war auch Anlaufpunkt für die WDR-Lokalzeit, die in gleich zwei Live-Schalten aus dem Haus der Universität berichtete. Reporter Dr. Andreas Turnsek sprach unter anderem mit der Evolutionsbiologin Dr. Jana Seiler (HHU), die dazu forscht, welche Gene bei Bienen und letztlich auch bei anderen Lebewesen das Sozialverhalten beeinflussen, mit Felix Focke, der die überdimensionalen Insekten im 3D-Druck gefertigt hatte, sowie mit dem HHU-Studenten Jona Fichtner, der den Besucherinnen und Besuchern vor Ort alle Fragen zu den ausgestellten Tieren beantwortete.

Das Motto „Forschung zum Anfassen“ durfte erneut wörtlich genommen werden. So konnte man selbst Hand anlegen bei der Extraktion von Herzgewebe zur näheren Untersuchung des Organs, wobei aus naheliegenden Gründen das Material nicht aus echten Herzen, sondern aus Apfelstücken entnommen wurde. Das Herzzentrum des UKD (Universitätsklinikum Düsseldorf) stellte dafür allerdings echtes humanmedizinisches Gerät bereit. Auch das ausgestellte mobile Kunstherz, welches Menschen mit einem schweren Herzfehler in die Lage versetzt, sich ohne Spenderherz frei bewegen zu können, zog viele Wissbegierige an. Unter ihnen: Düsseldorfs Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller, der Schirmherr der Nacht der Wissenschaft, der gemeinsam mit HHU-Rektorin Prof. Dr. Anja Steinbeck das Großevent besuchte und dabei auch eine Biopsie durch einen Herzkatheter an einem Apfel durchführte.

Am Stand des Instituts für Neurowissenschaften und Medizin des Forschungszentrums Jülich ließ sich nachvollziehen, wie aus klassischen anatomischen Zeichnungen der „Julich Brain Atlas" entstanden ist: der erste 3D-Atlas des menschlichen Gehirns, der dessen strukturelle Variabilität in mikroskopischer Auflösung abbildet; er wird gemeinsam mit dem C. u. O. Vogt-Institut für Hirnforschung des Universitätsklinikums Düsseldorf als eine Art „Google Maps" fürs Gehirn vorgestellt. Der Atlas ist Kernstück der digitalen europäischen Forschungsplattform EBRAINS, über die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Zugang zu Daten, Software und Know-how für die Hirnforschung der Zukunft erhalten.

Auch die Physik sorgte für volle Reihen: Prof. Dr. Jörg Pretz (Forschungszentrum Jülich) erklärte in seinem Vortrag „Physik und Musik, vom Gartenschlauch zur Posaune" kurzweilig, warum in einem Gartenschlauch nur bestimmte Tonhöhen entstehen und was das mit einer Posaune zu tun hat. Am Stand des Instituts für Laser- und Plasmaphysik der HHU tauchte das Team um Prof. Dr. Georg Pretzler mit den Gästen in die Welt der Ultrakurzzeitphysik ein, in der ein Wimpernschlag einer Ewigkeit gleichkommt: Die Forschenden experimentierten mit Lichtpulsen im Bereich weniger Femtosekunden und zeigten, wie sich Laserpulse in Zeit und Raum gezielt manipulieren lassen, und wie sie damit sogar Ballons zum Platzen bringen.

Chemiker Prof. Dr. Markus Suta (HHU) erläuterte an seinem Aktionsstand „Nachhaltige Leuchtstoffe, mit und ohne Seltene Erden", wie sich die Farb- und Leuchtstoffindustrie in Deutschland entwickelt hat und welche Rolle geopolitische Abhängigkeiten bei Seltenen Erden für die Nachhaltigkeit spielen, begleitet von einem Vortrag zum selben Thema. Großen Andrang verzeichnete auch der Stand „KI an deiner Seite: Umgebungen, die sich auf dich einstellen" der HSD: Auf einem Bildschirm, der Bewegungen der Besucherinnen und Besucher in Echtzeit trackte und sie als Spielcharaktere darstellte, wurde anschaulich, wie sogenannte Smart Spaces künftig Beleuchtung, Navigation oder Sitzplatzanzeigen automatisch an ihre Nutzerinnen und Nutzer anpassen können.

Am Stand des MPI ging es um „grünen Wasserstoff“, gewonnen durch die Spaltung von Wasser mit regenerativem Strom, sowie um Batterien mit höherer Speicherkapazität, die ohne kritische, Seltene Erden auskommen. Welche Rolle moderne Materialien für Katalysatoren dabei spielen und wie Materialien atomgenau untersucht und entwickelt werden, konnten die Gäste direkt am Exponat nachvollziehen.

Das DDZ bot an seinem Stand den Selbsttest „Wie hoch ist Ihr Diabetes-Risiko?" an. Angesichts von mehr als 9,3 Millionen Menschen mit bekanntem Typ-2-Diabetes in Deutschland und einer hohen Dunkelziffer stieß das Angebot auf reges Interesse, ergänzt durch individuelle Hinweise, wie sich das persönliche Risiko senken lässt.

Am interdisziplinären Stand des Instituts für Experimentelle Psychologie für Sprache und Information (HHU) ging es der Frage nach, was Begriffe wie „Liebe" oder „Heimweh" in Sprache und Gehirn auszeichnet. Im Rahmen des „DREAM“-Projekts verglichen die Forschenden, wie emotionale Konzepte in Sprache, Gehirn und KI-Sprachmodellen abgebildet werden, ein Thema, das viele Besucherinnen und Besucher zum Nachdenken über die eigene Sprache brachte. Beim Denken half ein kniffliges Quiz: Auf Karten wurden zahlreiche Begriffe gezeigt, die von Probanden mit einem bestimmten Wort verbunden waren. Das Publikum hatte die Aufgabe, das jeweilige Ursprungswort zu finden.  

Auch die Pflanzenforschung war wie immer präsent: Der Exzellenzcluster CEPLAS zeigte an seinem Informationsstand, wie sich die genetischen Grundlagen von Pflanzenmerkmalen erforschen lassen, um künftig „SMARTe Pflanzen" zu züchten, die dem Klimawandel und der globalen Ernährungssicherung gewachsen sind, veranschaulicht durch Anschauungsobjekte und kleine Mitmachversuche.

Traditioneller Abschluss des Abends war wieder der Science Slam im Vortragssaal des Hauses der Universität, der diesmal ab Mitternacht bis in die frühen Morgenstunden gegen 1 Uhr für volle Reihen sorgte. Drei junge Forschende der beteiligten Institutionen traten mit je zehnminütigen Kurzvorträgen an: Dr. Tugce Beyazay (MPI), Sarah Maria Scheid (FZJ) und Dr. Niklas Wiskandt (HHU). Wie gewohnt entschied das Publikum per Applaus über den Sieg: Tugce Beyazay mit ihrem mitreißenden Vortrag „Breaking Bonds: The Chemistry of Hydrogen Reduction“. Moderiert wurde der Slam routiniert von Tobias Löffler (HHU).

Programm und Details zu allen Beiträgen 2026.

Bildergalerie zur Nacht der Wissenschaft 2026.

Autor/in: Achim Zolke
Kategorie/n: Schlagzeilen, Pressemeldungen
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Düsseldorfs Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller zusammen mit HHU-Rektorin Prof. Dr. Anja Steinbeck am Stand des Herzzentrums. Hier konnten die Besucherinnen und Besucher der Nacht der Wissenschaft an einem Apfel eine Biopsie durch einen Herzkatheter üben. (Foto: HHU / Nicolas Stumpe)

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Um das Zehnfache vergrößerte 3D-gedruckte Insekten wurden in einem nachempfundenen tropischen Umfeld im Foyer des Hauses der Universität präsentiert. Jona Fichtner (links) erläuterte das Verhalten der Insekten, während Felix Focke, der die 3D-Modelle designt, den 3D-Druck durchgeführt und auch die Modelle bemalt hat, vom komplexen Entstehungsprozess berichtete. (Foto: HHU / Wilfried Meyer)

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Viele Forschende luden das Publikum zum „Wissenschaftstalk“ ein. (Foto: HHU / Wilfried Meyer)

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Die HSD zeigte, was mit Künstlicher Intelligenz alles möglich ist. Die Bewegungen der Besucherinnen und Besucher wurden in Echtzeit getrackt und diese in eine virtuelle versetzt. (Foto: HHU / Nicolas Stumpe)

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Das Center for Structural Studies der HHU präsentierte 3D-Modelle von Proteinen. (Foto: HHU / Nicolas Stumpe)