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Wissenschaftlicher Förderpreis des Kasseler Demokratie-Impuls
Rebekka Bonacker, Adriana Fink und Mara Teutsch ausgezeichnet

Rebekka Bonacker, Adriana Fink sowie Mara Teutsch sind mit dem Wissenschaftlicher Förderpreis des Kasseler Demokratie-Impulses ausgezeichnet worden. Im Im Rahmen eines sozialwissenschaftlichen Teamprojekts (Master) haben sie sich mit mitt dem gesellschaftlichen und staatlichen Gedenken an den NSU-Komplex und dessen Opfer auseinandergesetzt. Betreut wurde die Arbeit von Dr. Ulf Tranow aus dem Institut für Sozialwissenschaften, Abteilung Soziologie.

Die Morde und Anschläge des sogenannten „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) sind die größte bekanntgewordene, rechtsextreme Terrorserie in der Geschichte der BRD. Die juristische sowie politische Aufklärung konzentrierte sich auf das Kerntrio des NSU und konnte Fragen nach seinem Unterstützungsnetzwerk und der Rolle der Sicherheitsbehörden nicht vollständig aufklären. Rebekka Bonacker, Adriana Fink sowie Mara Teutsch widmeten sich in ihrer „Kritische[n] Analyse der Dynamiken im Erinnern an den NSU-Komplex“ einem vor diesem Hintergrund wichtigen Aspekt der komplexen Akteurs- und Handlungsebenen: Wie wird öffentlich an den NSU-Komplex und seine Opfer gedacht?

Gestützt von Experten- und Expertinnen-Interviews untersucht ihre Arbeit Akteure, Dynamiken und Konflikte sowie die Sichtbarkeit der Betroffenen im Gedenken. Die Wissenschaftlerinnen führten dazu Interviews mit Barbara John, Ombudsfrau der Bundesregierung für die Hinterbliebenen der Opfer des Nationalsozialistischen Untergrundes sowie mit den Mitbegründern des Aktionsbündnisses „NSU-Komplex auflösen“, Kutlu Yurtseven und Ibrahim Arslan.

Die nun von der Stadt Kassel ausgezeichnete wissenschaftliche Analyse zeigt, dass sowohl zivilgesellschaftliche Initiativen und Einzelpersonen als auch staatliche Vertreter im Gedenken an die Opfer des NSU aktiv werden. Ihre Interessen und Vorstellungen darüber, wie dieses Gedenken gestaltet werden sollte, divergieren jedoch teilweise stark. In Köln führt dies etwa dazu, dass bislang kein Denkmal für die Opfer des NSU errichtet worden ist, während in allen anderen Tatortstädten wie auch in weiteren Orten staatliche bzw. städtische Gedenkstätten bereits geschaffen wurden. Der Forschungsbericht der drei Wissenschaftlerinnen zeigt dabei Strukturen und Mechanismen der Ausschließung auf. Diskutiert werden von den Akteuren vor allem die Sichtbarkeit sowie die Stellung der Betroffenen im Gedenken. Eine Anerkennung der Opfer von Seiten des Staates findet zwar nach 2011 vereinzelt statt, verfehlt dabei jedoch häufig die Wünsche und Forderungen der Opferangehörigen und räumt diesen keine Mitgestaltungsmöglichkeiten ein. Die Autorinnen kommen in ihrer Analyse außerdem zu dem Ergebnis, dass sich vor allem zivilgesellschaftliche Initiativen mit Betroffenen rechter Gewalt solidarisieren und deren Geschichten explizit in den Mittelpunkt ihrer Erinnerungsarbeit stellen. Ein Forschungsergebnis ist damit, dass das Erinnern an den NSU-Komplex von einer starken Spaltung zwischen den beteiligten Akteuren geprägt und einer Tendenz zur gesellschaftlichen Indifferenz ausgesetzt ist.

Förderpreis "Kasseler Demokratie-Impuls

Der wissenschaftliche Förderpreis des „Kasseler Demokratie-Impuls“ der Stadt Kassel hat neben der Anerkennung wissenschaftlicher Leistungen auch das Ziel, gesellschaftliche Impulse zu setzen, indem er wissenschaftliche Arbeiten zu den Themen Rechtsextremismus, Rassismus, politisch motivierter Gewalt und Antisemitismus würdigt. Die Auszeichnung wird in Gedenken an die Opfer des NSU verliehen: Enver Şimşek - Abdurrahim Özüdoğru - Süleyman Taşköprü - Habil Kılıç - Mehmet Turgut - İsmail Yaşar - Theodoros Boulgarides - Mehmet Kubaşık - Halit Yozgat - Michèle Kiesewetter.

 

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Kategorie/n: Pressemeldungen
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