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Neujahrsempfang der Rektorin
„Vertrauen ist kein Selbstläufer“

Endlich wieder live im Konrad-Henkel-Hörsaal: Am 18. Januar konnte Rektorin Prof. Dr. Anja Steinbeck zum traditionellen Neujahrsempfang der Heinrich-Heinrich-Heine-Universität (HHU) rund 600 geladene Gäste aus Wissenschaft, Politik und Stadtgesellschaft willkommen heißen. Im Zentrum ihrer Rede standen das Vertrauen in die Wissenschaft, die Wissenschaftsfreiheit sowie die Herausforderungen für Lehre und Forschung, die mit der Digitalisierung einhergehen.

Rektorin Anja Steinbeck während ihrer Rede am 18. Januar. (Fotos: HHU / Wilfried Meyer)

Zunächst betonte Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller in seinem Grußwort die Bedeutung der Heinrich-Heine-Universität für Düsseldorf: Wissenschaftliche Kompetenz trage erheblich zu gesteigerter Wettbewerbsfähigkeit, Wachstum und der Schaffung von Arbeitsplätzen bei und stärke die Innovationskraft der hiesigen Wirtschaft. Als Bürgeruniversität teile die HHU ihr Wissen kontinuierlich mit der Stadtgesellschaft in Veranstaltungen wie der ‚Nacht der Wissenschaft` und Einrichtungen wie dem ‚Haus der Universität‘ im Stadtzentrum: „Das ist für die Stadt eine großartige Entwicklung!“ 

Das Wirken der Universitäten in die Gesellschaft hinein – ein Herzensthema der Rektorin und damit einer der Kernpunkte ihrer Neujahrsansprache: „Das Vertrauen der Menschen in die positive Wirkung von technischem Fortschritt durch Wissenschaft ist essentiell für ein rohstoffarmes Land wie Deutschland – und letztlich auch eine Grundvoraussetzung für Demokratie.“ Laut des aktuellen Wissenschaftsbarometer vertraue zwar eine Mehrheit von 62 Prozent der Deutschen den Aussagen der Wissenschaft, 29 Prozent seien unentschieden, 8 Prozent gehörten zu Zweiflern und Zweiflerinnen. Aber: „Vertrauen ist kein Selbstläufer“, so die Rektorin. Und weiter: „Die Wissenschaft darf den öffentlichen Raum nicht ausschließlich anderen Meinungsbildnern und Interessensgruppen überlassen. Nicht Mitspielen ist keine Lösung.“ Deshalb sei es ihr wichtig, dass die Universität und ihre Angehörigen Stellung nehmen zu gesellschaftlichen Entwicklungen, Themen und Fragestellungen und dass sie diese aus Perspektive der Wissenschaft kommentieren. Wissenschaftliche Erkenntnisse müssten eines von mehreren Parametern für das Handeln der Politik bleiben.

Der weitverbreiteten Fehlvorstellung der Politik, dass wissenschaftliche Erkenntnisse zwingend einen unmittelbaren Nutzen haben müssten, erteilte die Rektorin eine Abfuhr. Innovation und Kreativität verlangten Freiheit und Ergebnisoffenheit: „Ich bin von der Nützlichkeit nutzlosen Wissens überzeugt. Was heute Grundlagenforschung ist, kann morgen die Welt verändern.“ Das sei beispielsweise in der Pandemie und durch die Entwicklung von Impfstoffen in Rekordzeit besonders klar zu Tage getreten. Die derzeitige Forschungspolitik und vor allem die überdimensionierte Forschungsförderung über kompetitive Drittmittel erwarte schnelle und damit vorhersehbare Ergebnisse. Damit „ist sie dem Erzielen wissenschaftlicher Umbrüche eher abträglich“, so Anja Steinbeck.

Die Forschung stehe durch die Digitalisierung vor neuen Herausforderungen. Fast alle wissenschaftlichen Disziplinen benötigen heute große Datenmengen und die Möglichkeit, mit ihnen zu rechnen. „Aber der Status Quo in deutschen Universitäten bildet das nicht ab: Wir haben eine unzureichende digitale Infrastruktur in Kombination mit einem bisweilen die Forschung über die Gebühr behindernden Datenschutz.“ Bundesweit einheitliche Cloudlösungen zur Abspeicherung von Forschungsdaten oder ein geschlossenes Auftreten bei der Aushandlung von Lizenzverträgen etwa gegenüber Anbietern wie Microsoft sind das Gebot der Stunde. Erfolgreich bewältigt könnten diese Aufgaben nur durch das Zusammenwirken von Bund und Ländern, aber auch der Länder untereinander: „Ein Kooperationsangebot ist der richtige Weg.“ Dies helfe auch, den baulichen und energetischen Sanierungsstau zu meistern, so die Rektorin.

Seit dem Digitalisierungsschub durch die Corona-Pandemie wird viel über die Transformation der Lehre diskutiert. „Es ist uns an der HHU in wenigen Wochen gelungen, unsere Lehre zu digitalisieren, aber diese Hau-Ruck-Aktion war nur der Beginn und keinesfalls das Ende der Umgestaltung“, berichtet Anja Steinbeck und weiter: „Die Disziplinen an einer Volluniversität, die von Anglistik bis zur Zahnmedizin reichen, ermöglichen und verlangen die unterschiedlichsten digitalen Komponenten. Es gibt kein „one size fits all"." Die HHU durchlaufe deshalb einen strategischen Prozess. In ihm stimmen sich Rektorat und alle Fakultäten ab, wie sie sich die Lehre der Zukunft vorstellen: Ob und wie Präsenz- und Digitalformate bestmöglich eingesetzt und miteinander verknüpft werden und zum Erreichen der Studienziele beitragen können. Nach ihrer Überzeugung ist Präsenz unabdingbar für ein lebendiges und inhaltlich wie persönlich erfüllendes Hochschulleben. Die Rektorin stellt deshalb klar: „Die HHU ist und bleibt eine Präsenzuniversität.“

Nach ihrer Rede zeichnete die Rektorin in Anerkennung ihrer Verdienste mit der Ehrenmedaille der Universität aus:

Prof. Dr. Peter Westhoff (Prorektor für Forschung und Transfer von 2014 bis 2020)

Prof. Dr. Klaus Pfeffer (Prorektor für Strategisches Management und Chancengerechtigkeit von 2014 bis 2020)

Prof. Dr. Christian Kersting (Dekan der Juristischen Fakultät von 2020 bis 2022)

Prof. Dr. Nicola Preuß (Dekanin der Juristischen Fakultät von 2018 bis 2020) war verhindert und wurde namentlich erwähnt.

Ein weiterer Höhepunkt:

Prof. Dr. Axel Görlitz erhielt die Ehrenmedaille in Anerkennung seiner Verdienste um die Aufrechterhaltung des Lehrbetriebes während der Corona-Pandemie als Vorsitzender der Taskforce Lehre.

Zum Abschluss gewährten zwei Kurzvorträge Einblicke in die aktuelle Forschung an der HHU:

In Die soziale Magie der Demokratie entwarf Parteienrechtsexpertin Prof. Dr. Sophie Schönberger einen "emotional turn" für die Verfassungsrechtswissenschaft. Bisher werden Emotionen dort vor allem als irrationale Störfaktoren im ansonsten auf Rationalität ausgerichteten demokratischen Prozess problematisiert. Eine stärkere und vor allen Dingen unvoreingenommene Aufmerksamkeit für diesen Teil der Wirklichkeit ermöglicht es aber, eine bisher unterbelichtete Seite der Demokratie als sozialer Ordnung zu begreifen, die auch dabei helfen kann, ihre gegenwärtigen Krisen und Herausforderungen besser zu verstehen.

Warum Unordnung die Triebkraft für die Bildung biologischer Membranen darstellt und warum biologische Membrane eine Grundvoraussetzung für jedes Leben sind, erklärte Biochemiker Prof. Dr. Lutz Schmitt in seinem Vortrag Von Unordnung, biologischen Membranen und kleinen Molekülen. Und er ging kurz darauf ein, welche Bedeutung biologische Membrane beim Transport kleiner Moleküle wie CO2 haben. Hintergrund sind Überlegungen, Mikroorganismen zu nutzen, um CO2 aus der Atmosphäre zu ziehen und so dem Klimawandel entgegen zu wirken.

Mit Gesprächen und Netzwerken klang der Empfang anschließend im Hörsaalfoyer aus.

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Kategorie/n: Schlagzeilen, Alumni-News

Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller betonte in seinem Grußwort die partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Stadt und HHU.

Ausgezeichnet von Rektorin Anja Steinbeck: (v.l.) Christian Kersting, Peter Westhoff, Klaus Pfeffer.

"Wenn es ihn nicht gegeben hätte, dann wären wir so gut nicht durch die Corona-Krise gekommen", so Anja Steinbeck bei der Überreichung der außerordentlichen Auszeichnung an Axel Görlitz. Als Leiter der Taskforce Lehre hatte er massgeblich an der schnellen Umstellung auf Digital-Lehre mitgewirkt.

Rechtwissenschaftlerin Sophie Schönberger stellte ihr neues Forschungsprojekt vor: Die soziale Magie der Demokratie.

Biochemiker Lutz Schmitt gab Einblicke in die Bildung biologischer Membrane.

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