„Seit 2019 gibt es den Diversity-Preis, der ganz individuell hervorhebt, dass Diversität weitaus mehr als ein Wort ist. Dahinter stehen konkrete Arbeit und Entscheidungen, kleine und große Gesten, Haltung, die man auch zeigt, wenn es unbequem ist“, sagt Prof. Dr. Heidrun Dorgeloh, Prorektorin für Universitätskultur und Internationales.
Ein Komitee aus Vertretungen aller Statusgruppen bestimmte die drei Ausgezeichneten, zusammen mit Prorektorin Dorgeloh und der Leiterin der Sektion Diversity des Heine-Centers for Sustainable Development, Dr. Inge Krümpelbeck. Sie hält fest: „Das Engagement an der HHU ist sichtbar groß. Es wurden wieder zahlreiche Engagierte nominiert, die wir alle gern ausgezeichnet hätten. Die drei Ausgewählten sind Rollenvorbilder in ihren jeweiligen Positionen, die alle ermutigen, sich in ihrem Umfeld für Vielfalt und Chancengerechtigkeit einzusetzen.“
Zu den drei Ausgezeichneten
Parham Dabidian ist im Masterstudium Chemie und gilt als „empathischer Brückenbauer“. Als Kind einer nicht-akademischen Familie mit persischen Wurzeln bringt er eine wertvolle Perspektive in die Gremienarbeit ein, die oft unterrepräsentiert ist. Er ist stellvertretender Sitzungsleiter und engagiertes Mitglied der Fachschaft sowie der FSVK (Fachschaften-Vertreterkonferenz).Unter anderem organisiert der 24-Jährige den Verkauf kostengünstiger Laborbekleidung mit und berät Studierende, die nicht weiterwissen. Er sagt. „Sozialen und emotionalen Halt zu bieten und das Leben am und um den Campus für andere zu bereichern, sowie für unterrepräsentierte Themen und Personen zu sensibilisieren, treibt mich an. Die gelebte Vielfalt auf dem Campus der HHU bereichert unsere Gesellschaft und dessen Förderung ist bereits ausgeprägt. Zum Schutz dieser bedarf es aber, wie so oft, auch finanzieller Mittel und einer stärkeren Kommunikationsarbeit, um politisch mehr Unterstützung zu erhalten.“ Von der HHU wünscht er sich, dass der (politische) Diskurs mit/für unterrepräsentierte/n Gruppen weiter gefördert und Gesprächsräume für alle geschaffen werden. Dass gegenüber der Politik vor den Folgen der Kürzungen an Bildungseinrichtungen gewarnt, der Wert von Inklusion sozial/mental/körperlich benachteiligter Menschen als Teil der Denkschmiede betont und Chancengleichheit durch infrastrukturelle Maßnahmen auf dem Campus geschaffen wird.
PD Dr. Alexandra Ljimani arbeitet als Oberärztin am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Düsseldorf und ist Medizinphysikerin. Die Sprecherin des Netzwerks Diversity@DRG (Deutsche Röntgengesellschaft) und Mentorin im SelmaMeyerMentoring baut ebenfalls Brücken und geht als Vorbild voran: Als Mutter von drei Kindern eröffnet sie jungen Wissenschaftlerinnen ermutigende Perspektiven. Die 42-Jährige hat „viele talentierte und engagierte Menschen kennengelernt, die nicht dem klassischen ‚Raster‘ entsprechen und deshalb oft nicht die Unterstützung oder Chancen erhalten, die sie verdienen.“ Es gehe viel Potenzial verloren, wenn „wir als Lehrende diese Fähigkeiten nicht erkennen und gezielt fördern.“ Deshalb setzt sie sich dafür ein, für Menschen und ihre Talente die richtigen Rahmenbedingungen zu schaffen und dafür, dass Teams diverser werden. „Als Radiologin sehe ich täglich, dass Menschen auf radiologischen Bildern unabhängig von Herkunft, Religion oder anderen Merkmalen gleich sind. Umso wichtiger ist es, die Unterschiede, die wir oft im Kopf konstruieren, bewusst zu hinterfragen und zu überwinden.“ Sie plant mit einer Kollegin gerade eine bundesweite Umfrage zur Vergütung von Radiologinnen, da wie in vielen Branchen auch hier enorme Unterschiede bestehen. Für eine fundierte Verhandlungsbasis soll eine strukturierte und belastbare Datengrundlage geschaffen werden.
Lydia Schmidt leitet die Beratungsstelle für Studierende mit Behinderung oder chronischer Erkrankung. Sie nimmt sich viel Zeit, geht einfühlsam auf die individuellen Probleme ein und strahlt dabei eine „unverwüstlich“ positive Grundhaltung aus. Die 41-Jährige will pragmatische Lösungen finden, die alle Beteiligten einbinden. Beispielsweise hat sie einen Pool mit assistiven Technologien aufgebaut und zwei Ruheräume ermöglicht, die den Studienalltag verbessern. Sie möchte ein Umfeld mitgestalten, in dem alle Menschen gleichberechtigt teilhaben und lernen können – unabhängig von ihren Voraussetzungen, Hintergründen oder Einschränkungen: „Ein zentraler Antrieb ist für mich, Bewusstsein zu schaffen. Viele Barrieren bleiben unsichtbar für diejenigen, die nicht direkt betroffen sind. Genau hier möchte ich ansetzen: Themen sichtbar machen, Perspektiven erweitern und dazu beitragen, dass Inklusion nicht als Zusatz, sondern als selbstverständlicher Bestandteil universitärer Kultur verstanden wird.“ Für die HHU bedeute Inklusion, Verantwortung auf allen Ebenen zu übernehmen und sie als Querschnittsaufgabe zu verankern. Es gehe um eine barrierearme Infrastruktur, inklusive Lehr- und Prüfungsformate, zugängliche Verwaltungsprozesse, ebenso um Sensibilisierung und Qualifizierung von Lehrenden und Beschäftigten. „Ich wünsche mir eine HHU, die den Anspruch auf Inklusion nicht scheut, sondern ihn bewusst annimmt – auch wenn er herausfordert.“
Hintergrund
Der Diversity-Preis ehrt besonders engagierte Lehrende, Führungspersönlichkeiten, Studierende und Beschäftigte, die von allen an der Universität vorgeschlagen werden können. Im Kern geht es um:
• Vielfalt, Chancengerechtigkeit und Toleranz an der Universität,
• diversitysensibilisierende Projekte,
• die Diversity-Dimensionen der HHU,
• diversitätssensible Lehre und
• den aktiven Abbau von Vorurteilen sowie physischen und psychischen Barrieren.