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Neujahrsempfang 2024
Werteerhalt in aufgeheizten Zeiten

Der Einladung von Rektorin Prof. Dr. Anja Steinbeck zum traditionellen Neujahrsempfang der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU) waren mehr als 600 Gäste aus Wissenschaft, Politik und Stadtgesellschaft gefolgt. In ihrer Rede sprach Steinbeck über die Rolle und Aufgabe von Universitäten, insbesondere der HHU, und die Notwendigkeit, sich für den Erhalt der Werte einer demokratischen Grundordnung einzusetzen. Sie rief alle Uni-Angehörigen auf, an der Groß-Demo gegen Rechts teilzunehmen.

(alle Fotos: HHU/Wilfried Meyer)

„Man muss die aktuellen Krisenherde nicht alle aufzählen, um zu bemerken, dass die Welt erhöhte Temperatur hat.“ In der Gesellschaft, aber auch im privaten Bereich, sei in der Diskussion ein „aggressiver Moralismus“ zu beobachten, der die Wahrnehmung, den Eindruck und das Gefühl über die Fakten und die Analyse stelle und einfache Antworten in einer komplexen Welt verspreche: „Wahrnehmung ist bisweilen wichtiger als Wahrheit. Aber die moralische Empörung des Einzelnen allein ändert die Welt noch nicht zum Guten“, so die Rektorin.

Die Universitäten bildeten einen Gegenpol zu Gefühlen und Wahrnehmungen. Wissenschaftliches Vorgehen sei von Objektivität und Sachlichkeit geprägt, „Vorurteile, Ideologien und Glaubensätze haben hier keinen Platz.“ Mit ihrer Forschung, so die Rektorin, sind Universitäten Zukunftswerkstätten der Gesellschaft. Sie sind ein wichtiger Akteur, wenn es darum geht, Lösungen für gesellschaftliche Herausforderungen zu finden und den Wohlstand zu sichern.

Die Lehre als zweite wichtige Aufgabe vermittle faktenbasiertes Wissen, das sich dynamisch an die Errungenschaften der Forschung sowie an gesellschaftliche Entwicklungen anpasse: „Sie hat den Anspruch, den Studierenden eine ganz wichtige Fähigkeit beizubringen, nämlich den Umgang mit Wissen, das heißt, Informationen kritisch zu hinterfragen und einordnen zu können.“ Die Universität bilde Menschen aus, die auf eine dynamische und unsichere Welt voller Chancen und Herausforderungen vorbereitet sind, die demokratiefähig sind und den Staat nicht nur als Fürsorgeeinrichtung begreifen, sondern auch bereit sind, ihn verantwortlich mitzugestalten.

Inwieweit sollen sich Universitäten in politische Diskussionen einmischen? Wenn es nicht um den politischen Diskurs im Rahmen der Lehre oder um Wissenschaftskommunikation gehe, so Anja Steinbeck, sei bei politischen Themen Zurückhaltung geboten: „Hochschulleitungen sollten damit aufhören, zu politischen Ereignissen Stellung zu nehmen“.

Mit einer wesentlichen Einschränkung: Wenn Ereignisse in Deutschland oder in der Welt die Hochschulen in ihrem Kern berühren oder so weitreichend sind, dass die Auswirkungen unmittelbar in den Campus hineinreichen, „dann stehen sie in der vollen Verantwortung, die Werte, für die die Universität steht, zu verteidigen. Dann müssen sie auch Maßnahmen ergreifen, um die Sicherheit auf dem Campus zu gewährleisten. Wie sie das tun obliegt ihrer Autonomie.“

Und sie stellte klar: „Rechtsradikales Gedankengut oder andere extremistische Strömungen werden an der HHU nicht geduldet. Derartige Gesinnungen gefährden unsere demokratische Grundordnung und damit zugleich die Grundlage von freier Wissenschaft und Lehre – und damit die Universität als solche. Mit anderen Worten: Wir sind intolerant gegenüber denen, die die Demokratie missbrauchen wollen, um sie abzuschaffen.“

Die Demokratie braucht die Universitäten und die Universitäten brauchen die Demokratie. Ganz in diesem Sinne gehen am Samstag, den 27. Januar 2024, voraussichtlich Zehntausende auf die Straße, um für Rechtsstaatlichkeit und gegen Rechtsextremismus auch in Düsseldorf zu demonstrieren. Rektorin Anja Steinbeck rief in ihrer Rede zur Teilnahme möglichst vieler Unterstützer auf. Wer mit anderen HHU-Angehörigen und Vertretern des Rektorats dabei sein möchte: Um 12:30 Uhr trifft man sich am Clayton-Hotel, Immermannstraße 41.

Zuvor hatte bereits Oberbürgermeister Dr. Stephan Keller in seinem viel beachteten Grußwort auf die Großdemo hingewiesen und klargestellt: "Forschung, Wissenschaft und Demokratie werden auf ähnliche Weise und aus gleicher Richtung bedroht, sie haben die gleichen Gegenspieler - Fake News, populistische Ansichten oder extremistische Ideologien." Er appellierte, aktiv für Internationalität, Weltoffenheit und Vielfalt in Düsseldorf einzutreten.

Im Anschluss an ihre mit auffällig großem Applaus bedachte Rede verlieh die Rektorin in Anerkennung seiner Verdienste Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Kleinebudde (Dekan der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät von 2019 bis 2023) die Universitätsmedaille.

Zum Abschluss des Hörsaalparts gaben zwei Kurzvorträge Einblicke in die aktuelle Forschung an der HHU: Die Verhaltensökonomin Prof. Dr. Hannah Schildberg-Hörisch zeigte, wie die Fähigkeit zur Selbstkontrolle unser Bildungsniveau, unseren Erfolg auf dem Arbeitsmarkt, unsere Gesundheit und unsere Lebenszufriedenheit beeinflusst und wie die Wissenschaft dies messen kann.

Der Psychologe Prof. Dr. Eckart Zimmermann interessierte sich dafür, wie die menschliche Wahrnehmung es uns ermöglicht, Objekte in der Umwelt zu lokalisieren und wie Bewegungen dazu beitragen, die räumliche Wahrnehmung zu korrigieren. 

Mit Gesprächen und Netzwerken klang der Empfang anschließend im Hörsaalfoyer aus. 

 

Die Rede der Rektorin zum Download

Appell der Präsidenten der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit

Fotogalerie zum Neujahrsempfang 2024

Autor/in:
Kategorie/n: Schlagzeilen, Medizinische Fakultät

In seinem Grußwort appellierte Oberbürgermeister an alle Düsseldorfer, Zivilcourage zu zeigen und ein starkes Zeichen für Demokratie zu setzen.

Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Peter Kleinebudde erhielt die Universitätsmedaille aus Händen der Rektorin.

Einblicke in aktuelle Forschungsprojekte gaben Verhaltensökonomin Prof. Dr. Hannah Schildberg-Hörisch...

...und Psychologe Prof. Dr. Eckart Zimmermann.

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