Heinrich Heine poltert und pointiert, seine Universität antwortet
[…] so ein bisschen Bildung ziert den ganzen Menschen.
Diesem Satz von Heinrich Heine wird wohl kaum jemand widersprechen, vor allem nicht an einer Universität. Aber so einfach ist es mit Heine nicht immer. Unser Namenspatron pointiert nicht nur, er poltert und polemisiert auch gerne. Meist im Dienste einer guten Sache, zum Beispiel für Demokratie und Menschenrechte. Diesen streitbaren Geist Heines möchten wir sichtbarer machen. Gleichzeitig haben wir Anknüpfungspunkte gefunden, die Heine mit dem heutigen Universitätsbetrieb verbinden und antworten auf seine Statements aus der Vergangenheit. Manchmal mit einem Augenzwinkern, mit Leichtigkeit und voller Leidenschaft.
Damals wie heute schlagen sich Studierende und Forschende mit ähnlichen Gedanken herum. Beruhigend ist, dass es für viele Probleme gute Lösungen gibt. Zahlreiche Einrichtungen bieten Unterstützung in Studium, Forschung, Lehre und Verwaltung. Einige von ihnen stellen wir indirekt vor. Zugleich möchten wir die Vielfalt am Campus sichtbar machen: Jene, die weniger im Rampenlicht stehen, kommen ebenso zu Wort wie die Menschen, die die Geschicke unserer Hochschule in größeren Bahnen lenken.
Paul Schwaderer und Katrin Koster
Die gedruckte Broschüre kann kostenlos angefordert werden unter kommunikation(at)hhu.de (Bitte Anschrift angeben.)
Zensur und Freiheit
„Die deutschen Censoren – – – – – – –
– – – – – – – – – – – – – –
– – – – – – – – – – – – – –
– – – – – – – – – Dummköpfe –
– – – – – – – – – – – – – –
– – – – – – – – – – – – – –“Heinrich Heine, Ideen. Das Buch Le Grand, 1826
„Glücklicherweise haben wir die staatliche Zensur dieser Zeit überwunden. Trotzdem: Die Freiheit des Worts und die Freiheit von Wissenschaft und Lehre müssen immer wieder aufs Neue gestärkt und verteidigt werden. Wir setzen uns für diese essenziellen Werte ein – jeden Tag und mit anhaltender Energie.“
Prof. Dr. Anja Steinbeck
Rektorin der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Andere Wege
„Von den sieben Jahren die ich auf deutschen Universitäten zubrachte vergeudete ich drey schöne blühende Lebensjahre durch das Studium der römischen Casuistik. Welch ein fürchterliches Buch ist das Corpus Juris, die Bibel des Egoismus. Wie die Römer selbst blieb mir immer verhaßt ihr Rechtskodex. [...]
Ich brachte jene gottverfluchten Studien zu Ende, aber ich konnte mich nimmer entschließen von solcher Errungenschaft Gebrauch zu machen, und vielleicht auch weil ich fühlte daß Andre mich in der Advokasserie und Rabulisterey leicht überflügeln würden, hing ich meinen juristischen Doktorhut an den Nagel.“
Heinrich Heine, Memoiren, 1854
„Schade, dass die Rechtswissenschaften nicht ganz das Richtige waren. Denn gepaart mit Wortgewandtheit und Hingabe für eine gute Sache lässt sich damit viel bewirken. Vielleicht wäre auch ein Fachwechsel denkbar gewesen – zum Beispiel zu den Literaturwissenschaften oder zur Philosophie? Wir beraten dazu gerne, ebenso zu Themen wie Motivation und beruflichen Perspektiven oder zu psychologischen Fragen. Denn es ist ja so: »Wer uns vor nutzlosen Wegen warnt, leistet uns einen ebenso guten Dienst wie derjenige, der uns den rechten Weg anzeigt.« Wir wollen, dass jede/r etwas findet, das individuell passt und länger trägt als ein, zwei Semester.“
Agnes Kott
Sachgebietsleiterin der Allgemeinen und Psychologischen Studienberatung
Solides Fundament
„Sie rühmten, daß er nie studiert
Auf Universitäten,
Und Bücher schrieb aus sich selbst heraus,
Ganz ohne Fakultäten.Ja, seine ganze Ignoranz
Hat er sich selbst erworben;
Nicht fremde Bildung und Wissenschaft
Hat je sein Gemüth verdorben.“Heinrich Heine, Kobes I., 1853–1854
„Schon klar, »so ein bisschen Bildung ziert den ganzen Menschen« und ein Studium erweitert den Horizont. Überdies bin ich persönlich der Meinung, dass es auch andere gute Wege gibt. An der HHU werden wir in insgesamt elf Berufen ausgebildet: etwa im Botanischen Garten, in der IT, der Verwaltung, der Buchbinderei und sogar in der Glasbläserei. Beeindruckend, nicht wahr?“
Mohammed Rashidi
in der Ausbildung zum Kaufmann für Büromanagement
Chancengleichheit
„Meinen schönsten Liebesantrag
Suchst du ängstlich zu verneinen;
Frag’ ich dann: ob das ein Korb sey?
Fängst du plötzlich an zu weinen.Selten bet’ ich, drum erhör’ mich,
Lieber Gott! Hilf dieser Dirne,
Trockne ihre süßen Thränen
Und erleuchte ihr Gehirne.“Heinrich Heine, Clarisse, 1844
„Um das ein für alle Mal klar zu machen: Eine Person, die einer anderen einen Korb gibt, hat vermutlich ihre Gründe und braucht bestimmt keine Hirnerleuchtung. Diese Freiheit gilt es auszuhalten. Und stattdessen lieber in solch
berühmten Worten zu schwelgen: »Du fragst mich, Kind, was Liebe ist? Ein Stern in einem Haufen Mist.«“
Helen Goslich
Geschäftszimmer des Gleichstellungsbüros
Stipendien
„Als ich die Universität bezog waren die Geschäfte meines Vaters in sehr traurigem Zustand, und meine Mutter verkaufte ihren Schmuck, Halsband und Ohrringe von großem Werthe, um mir das Auskommen für die vier ersten Universitätsjahre zu sichern.
Ich war übrigens nicht der erste in unserer Familie der auf der Universität Edelsteine aufgegessen und Perlen verschluckt hatte.“
Heinrich Heine, Memoiren, 1854
„Daher kommen wohl die sprichwörtlichen »Perlen vor die Säue«, oder? Im Ernst: Vor diesem Problem stehen auch heute viele Studierende. Deshalb sind wir als Bürgeruniversität stolz, einen breiten Kreis an großzügigen Stifterinnen und Stiftern zu haben. Sie ermöglichen, dass 2025 mehr als 470 Studierende ein Deutschlandstipendium erhalten, landesweit ein Spitzenwert. Und zwar nicht nur solche mit besonders guten Noten, sondern auch jene aus Nichtakademikerfamilien oder solche, die bereits während des Studiums Kinder haben.“
Joachim Tomesch
Leiter der Stabsstelle Veranstaltungen, Marketing-Service und Fundraising
Was bleibt
„Wie es mir im Alter gehen wird?
Ehrlich gesagt, ich wage nicht daran
zu denken! Ich werde wahrscheinlich
die Zahl jener edelsten und größten Männer
Deutschlands vermehren, die mit gebrochenem
Herzen und zerrissenem Rock ins Grab steigen.
In Düsseldorf wird mir dann wohl ein Monument gesetzt werden.“Heinrich Heine, Brief an seinen Bruder Maximilian Heine, 1837
„Diese Sorge war absolut unberechtigt. Als ich Ende der 1980er im AStA aktiv war, haben wir Studierenden es – gemeinsam mit Verbündeten aus den anderen Gruppen – geschafft, die Universität Düsseldorf auch offiziell in Heinrich-Heine-Universität umzubenennen. Heute kann sich kaum noch jemand vorstellen, dass es jemals anders war: Ist doch »HHU« inzwischen zur unverwechselbaren Marke geworden. Und zu einem würdigen Monument obendrein.“
Kerstin Griese MdB
Alumna und ehemalige Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses (AStA)
Bibliotheken
„Ist es Euch nicht möglich mir deutsche Bücher hierherzuschicken aus der dortigen Leihbibliothek und zwar mittelst des Dampfbootes, welches sie auch zurückbringen könnte? Ich möchte mir manchmal etwas Deutsches vorlesen lassen und da ich aus der Buchhandlung hier nie das erhalte, was ich verlange und auch keine Leihbibliothek hier ist, so muß ich auf einen Ausweg bedacht sein. In einem solchen Falle könntet Ihr mir einen Katalog von dort per Kreuzkouvert herschicken.“
Heinrich Heine, Brief an seine Mutter Betty Heine und seine Schwester Charlotte Embden, 1850
„Wow, wurde so die Fernleihe erfunden?! Die Idee, sich Bücher aus den Beständen entfernter Bibliotheken im In- und Ausland zukommen zu lassen ist sooo gut, dass wir heute an einem europa- und weltweiten Netzwerk von Partnerbibliotheken beteiligt sind. Dadurch können wir Studierende und Lehrende mit Büchern aus aller Welt versorgen und ausländische Bibliotheken mit unserem Bestand unterstützen. Unsere Kataloge und die der anderen findet man natürlich längst online, ebenso wie viele Bücher und Zeitschriften.“
Heinz-Peter Berg
Dezernatsleitung Benutzung, Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf (ULB)